Die Straßenverkehrsordnung (StVO) verpflichtet jeden Fahrzeugführer zur ordnungsgemäßen Ladungssicherung. Ungesicherte Ladung verursacht jährlich über 2.500 Unfälle auf deutschen Straßen (Statistisches Bundesamt 2024). Ladungssicherung für Anhänger bei Tarpofix umfasst Zurrmulden mit 800 daN Zugkraft, Planenhaken, Gepäckspanner und weiteres Befestigungszubehör für PKW-Anhänger. Dieser Ratgeber erklärt die gesetzlichen Anforderungen, bewährte Sicherungsmethoden und die Auswahl des richtigen Zubehörs.
Gesetzliche Vorschriften zur Ladungssicherung nach StVO
Paragraph 22 der Straßenverkehrsordnung regelt die Ladungssicherung in Deutschland. Die Vorschrift verlangt, dass Ladung “so zu verstauen und zu sichern ist, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann.”
Die VDI-Richtlinie 2700 konkretisiert diese Anforderung mit physikalischen Berechnungsgrundlagen. Bei einer Vollbremsung wirkt das 0,8-fache des Ladungsgewichts als Verzögerungskraft nach vorne. Seitlich und nach hinten beträgt die Kraft jeweils das 0,5-fache des Ladungsgewichts.
Kräfte bei der Ladungssicherung (Berechnungsgrundlage VDI 2700):
| Richtung | Beschleunigungsfaktor | Beispiel 100 kg Ladung |
| Nach vorne (Bremsen) | 0,8 g | 80 kg Sicherungskraft |
| Nach hinten | 0,5 g | 50 kg Sicherungskraft |
| Seitlich | 0,5 g | 50 kg Sicherungskraft |
Verstöße gegen die Ladungssicherungspflicht kosten zwischen 35 € (geringfügiger Verstoß) und 200 € plus 1 Punkt in Flensburg (Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer). Bei Unfällen durch mangelhafte Ladungssicherung drohen strafrechtliche Konsequenzen.
Methoden der Ladungssicherung für PKW-Anhänger
Die Ladungssicherung am Anhänger erfolgt durch Formschluss, Kraftschluss oder eine Kombination beider Methoden. Jede Methode hat spezifische Vor- und Nachteile je nach Ladungsart.
Formschlüssige Ladungssicherung
Formschluss entsteht durch direkten Kontakt zwischen Ladung und Begrenzungsflächen. Die Ladung liegt an Stirnwand, Bordwänden oder anderen Gütern an und kann nicht verrutschen. Diese Methode erfordert keine zusätzlichen Hilfsmittel, setzt aber eine lückenlose Beladung voraus.
Voraussetzungen für Formschluss:
• Ladung liegt direkt an der Stirnwand an
• Keine Lücken zwischen einzelnen Ladungsteilen
• Bordwände haben ausreichende Höhe und Stabilität
• Ladung überragt die Bordwand nicht
Kraftschlüssige Ladungssicherung
Kraftschluss erhöht die Reibung zwischen Ladung und Ladefläche durch Niederzurren. Zurrgurte drücken die Ladung auf den Boden und verhindern das Verrutschen. Die erforderliche Vorspannkraft hängt vom Ladungsgewicht und dem Reibbeiwert ab.
Berechnung der Vorspannkraft: Die Formel lautet: Vorspannkraft = (Ladungsgewicht × Beschleunigungsfaktor) / (Reibbeiwert × Anzahl Gurte × 2). Ein 200 kg schweres Paket auf Holzboden (Reibbeiwert 0,3) benötigt bei zwei Gurten eine Vorspannkraft von mindestens 133 daN pro Gurt.
Direktzurren
Direktzurren verbindet die Ladung über Zurrgurte direkt mit den Zurrpunkten am Anhänger. Die Gurte verlaufen diagonal und fixieren die Ladung in alle Richtungen. Diese Methode eignet sich für einzelne, schwere Gegenstände wie Maschinen oder Fahrzeuge.
Zurrpunkte und Zurrmulden am Anhänger nachrüsten
Viele PKW-Anhänger verfügen serienmäßig über unzureichende oder fehlende Zurrpunkte. Das Nachrüsten von Zurrmulden verbessert die Ladungssicherung erheblich und ist in wenigen Schritten möglich.
Arten von Zurrpunkten:
| Zurrpunkt-Typ | Zugkraft | Einbauort | Vorteile |
| Zurrmulde mit Ring | 800 daN | Bodenfläche | Versenkt, keine Stolpergefahr |
| Zurrbügel | 400-2000 daN | Bordwand, Boden | Hohe Zugkraft, robust |
| Zurröse aufschraubbar | 350-800 daN | Bordwand | Einfache Montage |
| Airlineschiene | 750-2000 daN | Boden, Wand | Flexible Positionierung |
Zurrmulden mit 800 daN Zugkraft eignen sich für die meisten PKW-Anhänger bis 750 kg Gesamtgewicht. Die Montage erfolgt durch Verschrauben mit dem Anhängerboden. Eine Gegenplatte auf der Unterseite verteilt die Zugkräfte und verhindert das Ausreißen der Schrauben.
Montageanleitung für Zurrmulden:
1. Position markieren (Ecken und Mitte empfohlen)
2. Löcher bohren (Durchmesser laut Herstellerangabe)
3. Zurrmulde einsetzen
4. Gegenplatte von unten anlegen
5. Mit Sicherheitsschrauben (Festigkeitsklasse 8.8) verschrauben
6. Schrauben mit Drehmomentschlüssel anziehen
Die Anzahl der Zurrmulden richtet sich nach Anhängergröße und Ladungsart. Vier Zurrmulden in den Ecken bilden das Minimum. Für längere Anhänger empfehlen sich zusätzliche Zurrpunkte alle 1-1,5 Meter.
Zurrgurte und Spanngurte richtig auswählen
Zurrgurte unterscheiden sich in Breite, Länge und Zurrkraft (LC = Lashing Capacity). Die Zurrkraft gibt an, welche Kraft der Gurt bei der Ladungssicherung aufnehmen kann, ohne zu versagen.
Gurttypen und ihre Eigenschaften:
| Gurtbreite | Typische LC | Einsatzbereich |
| 25 mm | 250-500 daN | Leichte Ladung, Fahrräder |
| 35 mm | 500-1000 daN | Mittelschwere Ladung |
| 50 mm | 2000-2500 daN | Schwere Ladung, Fahrzeuge |
Die Gurtlänge sollte mindestens das 2,5-fache des Ladungsumfangs betragen. Überschüssige Länge lässt sich aufwickeln oder mit Klettbändern sichern. Lose flatternde Gurtenden gefährden andere Verkehrsteilnehmer.
Qualitätsmerkmale hochwertiger Zurrgurte:
• TÜV/GS-Prüfzeichen nach DIN EN 12195-2
• Etikett mit LC-Angabe und Herstellerkennzeichnung
• Polyester-Material (dehnt sich weniger als Polypropylen)
• Ratsche mit Sicherheitsverriegelung
• Kantenschutz bei scharfkantiger Ladung verwenden
Antirutschmatten und ergänzendes Zubehör
Antirutschmatten erhöhen den Reibbeiwert zwischen Ladung und Ladefläche von 0,3 (Holz auf Holz) auf 0,6-0,8. Diese Verdopplung der Reibung halbiert die erforderliche Vorspannkraft der Zurrgurte.
Reibbeiwerte verschiedener Materialkombinationen:
| Material Ladung / Boden | Reibbeiwert µ |
| Holz auf Holz (trocken) | 0,30 |
| Holz auf Holz (nass) | 0,20 |
| Metall auf Holz | 0,25 |
| Mit Antirutschmatte | 0,60-0,80 |
Kantenschutzwinkel verhindern das Einschneiden von Zurrgurten an scharfen Ladungskanten. Beschädigte Gurte verlieren bis zu 50% ihrer Tragfähigkeit und müssen ersetzt werden.
Spanngummis und Gepäckspanner eignen sich für leichte Ladung unter 10 kg. Die elastischen Bänder halten Planen, Netze oder kleine Gegenstände in Position. Für schwere Ladung sind sie nicht zugelassen.
Ladungssicherung bei verschiedenen Güterarten
Die optimale Sicherungsmethode hängt von Form, Gewicht und Empfindlichkeit der Ladung ab. Unterschiedliche Güter erfordern angepasste Strategien.
Stückgut und Kartons: Formschlüssig zur Stirnwand laden, Lücken mit Füllmaterial ausfüllen, Antirutschmatte unterlegen, mit Ladungsnetz abdecken.
Schüttgut und Gartenabfälle: Nicht über Bordwandhöhe beladen, mit Abdeckplane sichern, bei feinem Material zusätzlich Anhängernetz verwenden.
Möbel und Hausrat: Schwere Teile nach unten, leichte nach oben, empfindliche Oberflächen mit Decken schützen, einzeln mit Zurrgurten sichern.
Baumaterial und Holz: Auf Kanthölzern stapeln für Gurtdurchführung, Stirnholz zur Fahrtrichtung ausrichten, mindestens vier Zurrgurte verwenden.
Fazit: Sichere Ladung durch richtiges Zubehör
Die ordnungsgemäße Ladungssicherung am Anhänger schützt andere Verkehrsteilnehmer und verhindert Bußgelder. Zurrmulden mit mindestens 800 daN Zugkraft bilden die Basis für professionelle Ladungssicherung. Zurrgurte mit TÜV-Prüfzeichen nach DIN EN 12195-2 gewährleisten die erforderliche Festigkeit.
Investiere in Antirutschmatten zur Erhöhung des Reibbeiwerts und prüfe regelmäßig den Zustand aller Sicherungsmittel. Beschädigte Gurte, verrostete Zurrmulden oder ausgeleierte Spanngummis gehören ausgetauscht. Die Investition in hochwertiges Ladungssicherungszubehör zahlt sich durch Sicherheit und Langlebigkeit aus.

